Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere e.V. header image 5

1900 – 1910

1900

Ist das Geburtsjahr des heutigen Zentralverbandes der Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere. Bis es im Herbst zu seiner offiziellen Gründung kommt, gehen noch einige erwähnenswerte Ereignisse voraus.

Berlin, am 1. Januar. Die Freie Innung der Berliner Goldschmiede wird in eine Zwangsinnung umgewandelt. An diesem Neujahrstag tritt auch das Bürgerliche Gesetzbuch, welches 1896 verabschiedet wurde, das Handelsgesetzbuch sowie das Invalidenversicherungsgesetz in Kraft.

Leipzig, am 1. Januar. Der Verleger Wilhelm Diebener unterbreitet seinem Freund, dem Juristen Hermann Pilz, den Gedanken einen „Edelmetallverband“ zu gründen und wünscht von Pilz, dazu eine Satzung zu entwerfen. Kurze Zeit später liefert Pilz einen provisorischen Satzungsentwurf, der auch gleich in dieser Form von Diebener gebilligt wird.

Deutschland, am 2. April. Auf dem Territorium des Reiches werden die ersten Handwerkskammern errichtet.

Paris, am 14. April. Die 13. Weltausstellung wird eröffnet. Deutschland ist auch mit einigen Firmen aus der Schmuckbranche vertreten. (Für die gesamte elektrische Versorgung der Weltausstellung sind ausschließlich deutsche Firmen beauftragt worden!)
 

Berlin, am 9. Mai. Max Liebermann eröffnet die zweite Ausstellung der Berliner Sezession. Die Künstlervereinigung verhilft dem Impressionismus in Deutschland zum Durchbruch.

Leipzig, am 15. Juli. Wilhelm Diebener verbreitet einen Aufruf an alle Angehörigen des Edelmetallgewerbes, einen Verband zu gründen. Die Unterzeichner des Leipziger Papiers sind Wilhelm Diebener und Hermann Pilz. Davon unabhängig laufen in Berlin sowie auch in anderen Orten ähnliche Bestrebungen.

Leipzig/Berlin, am 1. August. Die Zeitschrift „Schmuck und Mode“ erscheint zum ersten Mal. Die im Monat zweimal erscheinende Zeitung kostet komplett jährlich 7 Mark. (Faksimile!)

Berlin, Anfang August. Die Berliner Goldschmiede und die Freie Vereinigung des Gold- und Silberwaren-Gewerbes planen, den 400. Geburtstag von Benvenuto Cellini würdig zu begehen und zu diesem Anlass einen Goldschmiedetag in die Reichshauptstadt einzuberufen. Auf diese Weise soll gleichzeitig das Interesse an der Gründung eines deutschen Goldschmiedeverbandes geweckt werden.

Paris, im August. Auf der Weltausstellung in der französischen Hauptstadt feiert der Jugendstil wahre Triumphe. Am meisten bewundert werden die Arbeiten von René Lalique. Die Pforzheimer Schmuckfirma Kollmar & Jourdan wird für ihre hervorragenden Doubléuhrketten mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

ZV ChronikBerlin, am 10. September. Treffen der Organisatoren der „Cellini-Feierlichkeiten“. Ein weiteres wichtiges Thema: der Verbandsgedanke. Benvenuto Cellini. Geboren am 1. November 1500 in Florenz, gestorben am 14. Februar 1571. Hervorragender Goldschmied der Renaissance mit sehr bewegtem Leben. Schrieb etwa 1558 seine Autobiografie. Abschluss des Manuskripts 1562. Seine Biografie ist eine bedeutende Quelle für die Kulturgeschichte der Renaissance. Cellini war ein Genie und ließ das auch durch sein Auftreten die Umwelt spüren. Goldschmiedelehre bei Michelangelo Bandinelli, nach der Lehre ging er zu Martino di Sandros und arbeitete ab 1516 bei Scopione Cavaletto in Bologna. Ging als 19-Jähriger nach Rom, wo er 2 Jahre arbeitete. Betrieb ca. 1524 eine eigene Werkstatt und arbeitete bereits für Papst Clemens VII. Am 16. April 1529 bestellte ihn der Papst Clemens VII. zum Münzschneider. Sein Amt behielt er bis zum 17. Januar 1534. Am 26. November 1534 ermordete er in Rom seinen Rivalen, den Goldschmied Pompeo de Capitaneis. Ging später nach Venedig, und kehrte wieder nach Florenz zurück. Anschließend ging er wieder nach Rom. Auch an öffentlichen Angelegenheiten nahm Cellini teil, so arbeitete er 1552 mit Michel­angelo und anderen Künstlern an den Befestigungen von Florenz, während des Krieges gegen Siena. Am 16. März 1564 wurde er mit Amanati Bronzino und Vesari von der Florentiner Akademie bestimmt, diese bei der Totenfeier für Michelangelo zu vertreten. Eine Krankheit verhinderte Cellini aber daran teilzunehmen. 1568 erschien von Cellini die Abhandlung über die Goldschmiedekunst und Skulptur – die so genannte „Trattati“. Cellini war nicht nur Goldschmied, er war Bildhauer, Architekt, Medailleur, Stempelschneider, Gemmenschneider, Maler und Schriftsteller. Johann Wolfgang von Goethe übersetzte seine Biografie 1803.

Leipzig, am 25. September. Konstituierende Sitzung des „Deutschen Goldschmiedeverbandes zur Wahrung berechtigter Interessen“. Die Satzungen werden genehmigt und der Verband wird in das Verbandsregister in Leipzig eingetragen. Verbandsvorsitzender wird Juwelier Hugo Meschke aus Leipzig. Im Ausschuss finden wir Eisenach, Sambach, O.M. Werner, Sy und Wagner, Rudolf Menzel, Rudolf Lutter, Paul Haase, Hugo Schaper, alle aus Berlin, Hermann Walter, Wratzke und Steiger aus Halle. Außerdem sagten der Gründung ihre Unterstützung zu: Dr. Schröder i. Fa. Eugen Schröder und Max Winter aus Berlin, Obermeister Hermann Schmidt aus Leipzig, Bertsch aus Karlsruhe, Föhr aus Stuttgart, Frohne aus Hannover, Vitztum aus München, Rehfeld aus Posen u. a., sodass man sich auf Namen von Klang stützen kann. Als Syndikus wird Pilz dem Ausschuss zur Seite gestellt. Es gilt nun vor allem, Ortsgruppen zu bilden. In Berlin wird nach einem von Pilz gehaltenen Vortrag über die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der Vertreter des Edelmetallgewerbes eine Ortsgruppe ins Leben gerufen, deren Vorstand O.M. Werner, Dr. Schröder und Rudolf Menzel bilden. Andere Gründungen folgen.

 Am 1. Oktober 1900 wird in einem Aufruf das sozialpolitische Programm des Verbandes verbreitet und findet allseitige Zustimmung in allen Landen.

Am 1. November hat der Verband bereits 762 ordentliche Mitglieder, 82 Ausschussmitglieder an den bedeutendsten Plätzen Deutschlands und 123 Ortsgruppen. (In Dresden wurde bereits 1888 ein „Goldschmiedeverband“ aus der Taufe gehoben, der aber bald nach seiner Gründung wieder einschlief.)

München, am 29. September. Der Neubau des 1855 gegründeten Bayrischen Nationalmuseums wird eingeweiht. Unter Prinzregent Luitpold erlebt München eine Blütezeit als Kunst- und Kulturstadt. Deutschland, am 1. Oktober. Neue Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung treten in Kraft. Sie regeln unter anderem den Ladenschluss (von 21.00 bis 5.00 Uhr müssen alle ­Geschäfte geschlossen sein) und schreiben eine zehnstündige tägliche Mindestruhezeit für Lehrlinge und Gehilfen vor.

Hamburg/Kiel, am 8. Oktober. Das Taufgeschenk für den Prinzen Heinrich v. Preußen (geb. 15.3.1900) ist im Kieler Schloss durch den Staatssekretär Hagedorn der Königl. Familie übergeben worden. Das Prachtstück, eine Nachbildung der Hamburger Admiralitätsjacht in Silber, entwarf und fertigte der bekannte Hamburger Goldschmied Alexander Schönauer.

Berlin, am 1. November. Die 400. Wiederkehr des Geburtstages von Benvenuto Cellini wird feierlich begangen. Am Nachmittag kommen im Schultheiß-Etablissement die Goldschmiede-Konkurrenzverbände zusammen. Hofjuwelier Werner aus Berlin begrüßt die Erschienenen. Hermann Pilz, Syndikus des Leipziger Verbandes, schildert die Zwecke und Ziele „seines Verbandes“. Nach längerer Debatte wird einstimmig folgender Antrag angenommen: „Der Deutsche Goldschmiede-Verband zur Wahrung berechtigter Interessen beschließt, seine Arbeiten fortzusetzen, jedoch gleichzeitig mit dem neu zu konstituierenden Verband deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede durch die Mittelsperson des Herrn Eckhardt aus Dresden zwecks Einigung in Verbindung zu treten.“ Für diesen Antrag sprechen die Herren Föhr aus Stuttgart, Dr. Schröder, Herr Werner und Herr Menzel aus Berlin. Noch am selbigen Abend finden zwischen den Herren Werner, Föhr, Dr. Schröder und Syndikus Pilz einerseits und Herren Martin Lange und Eckhardt andererseits Vorbesprechungen statt, und es ist das große Verdienst der Herren Dr. Schröder und Lange, dass schon hier die Basis zu einer Einigung geschaffen wird. Bei den Vorverhandlungen am nächsten Morgen scheint es, als solle diese Basis wieder verloren gehen. Mit wenig Hoffnungen auf eine Einigung werden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Herr Obermeister Eckhardt erbittet sich zunächst das Wort und führt aus, dass die Einigung einen Schritt näher herbeigerückt sei. Die Verschmelzung beider Verbände werde von der gegnerischen Seite, wenn deren Vorarbeiten benutzt und ihre Vorstandsmitglieder zum Teil mit den neuen Vorstand übernommen würden, nicht mehr abgelehnt werden. Herr Obermeister Rossbach spricht ebenfalls dafür, dass die Hand zur Freundschaft und zum Frieden gereicht und ergriffen werden müsse. Eine Kommission aus beiden Verbänden solle das bereits Geschaffene prüfen und das Gute verwenden. Herr Hofjuwelier Telge führt aus, dass die beiden Fachzeitungen als Verbandsorgane gut nebeneinander bestehen können (Diebener und Schlag). Herr Dr. Schröder aus Berlin spricht in einer längeren Rede, unter Wahrung der Interessen des Deutschen Goldschmiede-Verbandes, für eine Einigung. Sollte sie zu Stande kommen, so werde er dem geeinten Verbande sofort 1000 Mark zur Förderung der Arbeiten zur Verfügung stellen. Nachdem einige Redner noch mehrfach für eine Einigung plädieren, wird der Antrag angenommen, einen gemeinsamen Verbandsvorstand zu wählen, in den auch Mitglieder des bisherigen Goldschmiede-Verbandes aufgenommen werden sollen. Zum Vorsitzenden wird von 108 Stimmen mit 64 Stimmen Herr Fischer aus Berlin, zum zweiten Vorsitzenden einstimmig Herr Menzel aus Berlin, zu Beisitzern werden die Herren Föhr aus Stuttgart, Hampe aus Stettin, Eckhardt aus Dresden, Richter aus Hamburg, Dr. Schröder aus Berlin, Werner aus Berlin, Merk aus München, Meschke aus Leipzig, Walther aus Halle und Baumann aus Posen gewählt. Damit ist im Prinzip die Einigung beschlossen. Es handelt sich jetzt nur noch um eine formelle Auseinandersetzung zwischen den Verbänden, die in Kürze erfolgen wird. Herr Obermeister Rossbach schließt den Deutschen Goldschmiedetag mit dem Wunsch, dass auch fernerhin Friede und Eintracht herrschen möge!

Am Nachmittag konstituiert sich der Vorstand wie folgt: Wilhelm Fischer aus Berlin, ­erster Vorsitzender, Menzel aus Berlin, zweiter Vorsitzender, Dr. Schröder aus Berlin, Schriftführer, O.M. Werner aus Berlin, Kassierer, Hermann Pilz aus Leipzig, Syndikus. Die übrigen Herrn fungieren als Beisitzer.

So ist das Einigungswerk vollzogen!

Glück auf! Frisch an die Arbeit ist jetzt die Parole!

Berlin, am 3. November. Erste Vorstandssitzung des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Anwesend sind die Herren: Fischer, Menzel, Dr. Schröder, Werner, Föhr, Eckhard, Hampe, ZVRichter, Baumann, sowie Diebener und Webel. Der erste Vorsitzende des Verbandes, Herr Fischer, eröffnet die Sitzung mit dem Wunsch, dass die Arbeiten des Vorstandes für immer friedfertig und recht segensreich sich gestalten mögen. In den engeren Vorstand werden der erste Vorsitzende Herr Fischer, der zweite Vorsitzende Herr Menzel, als Schriftführer Herr Dr. Schröder und als Schatzmeister Herr O.M. Werner gewählt. Für den Rechtsbeistand wird Herr Syndikus Pilz aus Leipzig gewählt. Als Satzung für den neu gegründeten Verband sollen im Prinzip die bereits beim Leipziger Amtsgericht eingereichten Statuten, welche umgehend zurückgefordert werden, als Grundlage dienen. Diese Statuten werden den Vorstandsmitgliedern abschriftlich ausgehändigt und auf einer, am 25. November anberaumten, Vorstandssitzung endgültig beraten. Der Name des Verbandes wird wie auf dem Goldschmiede-Tag beschlossen, als „Verband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede“ festgestellt. Es wird beschlossen, eine Agitation für den Verband in erster Linie bei den Innungen und sonstigen bestehenden Körperschaften, sowie den einzelstehenden Goldschmieden und auch sämtlichen Fabrikanten durch Zirkulare vorzunehmen. Weiterhin wird beschlossen, als Verbandsorgane die beiden Zeitschriften von Diebener und Schlag in Leipzig zu bestimmen. Die bisherigen Mitglieder des Deutschen Goldschmiede-Verbandes sollen auf Verbandskosten durch Herrn Diebener von der Übernahme in den neuen Verband benachrichtigt werden. Es werden den Vorstandsmitgliedern bei Reisen zu den Vorstandssitzungen, resp. bei vom Vorstand beschlossenen Reisen, die Fahrt zweiter Klasse sowie Zehrspesen in Höhe 10 Mark pro Tag bewilligt. Die bereits gegründete Ortsgruppe Berlin wird anerkannt und bleibt in der bisherigen Zusammensetzung bestehen. Als erster Vorsitzender wird O.M. Werner, als zweiter Herr Dr. Schröder, als dritter Herr Rud. Menzel bestätigt. Die beiden in den Vorstand gewählten Herren Meschke aus Leipzig und Merk aus München werden in einem eingeschriebenen Brief von ihrer Wahl benachrichtigt.

Berlin, am 25. November. Die Satzung des „Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede“ wird veröffentlicht.

Deutschland, am 1. Dezember. Eine Volkszählung im Deutschen Reich ermittelt 56.345.014 Einwohner. Das entspricht einem Bevölkerungszuwachs von insgesamt 7,78 Prozent in den letzten 5 Jahren. Berlin hat mit rund 55.000 Telefonanschlüssen das derzeit größte und modernste Fernsprechnetz der Welt. Die Anlagen sind von Siemens & Halske installiert und haben sich seit dem Gründungsjahr 1880 von damals 90 Anschlüssen schnellstens vermehrt. Im Reichspostgebiet werden rund 250.000 Anlagen unterhalten.

1901

Görlitz, am 30. März. In der Gaststätte „Stadt Pilsen“, auf dem Obermarkt, wird die Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede in Görlitz gegründet. Vorsitzender wird Herr Finster.

Dresden. Auf der Vertretertagung des Verbandes beschäftigt man sich besonders mit der Schaffung einer „Besteckpreiskonvention“. An der Spitze dieser Kommission Hofjuwelier Carl Becker aus Köln.

Deutschland, am 19. Juni. Das Urheber- und Vertragsrecht wird eingeführt.

München, am 15. August. Die erste Ausstellung der Künstlergruppe „Phalanx“ eröffnet. Herausragender Vertreter der Gruppe ist der in der bayrischen Hauptstadt lebende russische Maler und Grafiker Wassily Kandinsky.

Berlin. Im Schultschen Kunstsalon „Unter den Linden“ werden Schmuckarbeiten ausgestellt. Die 68 Stücke im „Jugendstil“ stammen von einem gewissen Robert Nau-Jan aus Paris und werden von den Kritikern zerrissen.

Stuttgart, vom 17. bis 19. August. 1. Verbandstag des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Tagungsort: Oberes Museum Stuttgart. Bekräftigt wird nochmals das bei der Gründung in Berlin aufgestellte Programm. Darüber hinaus wird eine Unterstützungskasse für unverschuldet in Not geratene Mitglieder genehmigt. Am dritten Verhandlungstag werden folgende Tagesordnungspunkte abgehandelt: 11. Hausierhandel; 12. Auktionsunwesen und Konkursverkäufe; 13. Leihhäuser; 14. Schwindelhafte Inserate; 15. Versandgeschäfte und Warenhäuser; 16. Allgemeines.

Nürnberg, im September. Gründung der Vereinigung der Goldschmiede-Gehilfen. Prof. Stockmann hält im bay. Gewerbemuseum Vorträge über das Färben der Metalle. Die Vortragsreihe wird als erste Aktivität der neuen Vereinigung genutzt.

Deutschland, am 25. September. 1 Kilogramm Silber kostet ca. 80,00 Mark.

Pforzheim. Rudolf Rücklin gibt „Das Schmuckbuch“ heraus.

Deutschland, am 1. Oktober. Die neuen Bestimmungen zur Gewerbeordnung und über die Führung des Meistertitels treten in Kraft.

Rheinland / Westfalen, im Herbst. Gründung des Vereins der Juweliere, Gold- und Silberschmiede.

Schwäb. Gmünd, am 8. Oktober. Im kunstgewerblichen Verein „Vorwärts“ hält der Senior des Vereins, Graveur Häberle, einen Vortrag über seine Jugenderinnerungen und seinen Studienaufenthalt um 1860 in Wien.

Nürnberg, im Herbst. Eine Vereinigung von Goldschmiedegehilfen hat sich gebildet.

Stettin, am 15. November. Im „Kaiser Wilhelm“ Restaurant tagt die Innung. TOP 5: Beitritt der Vereinigung zum Verband; TOP 7: Referat über die Tätigkeit des Verbandes. Der Mitgliedsbeitrag der Innung beträgt mindestens acht Mark, von denen zwei Mark dem Verband zufließen sollen. 1. Vors. Franz Hampe; 2. Vors. Wilhelm Schellmann.

Deutschland, am 1. Dezember. Das „Krimnitzsche-Verbands-Normal-Ringmaß“ wird in Deutschland offiziell eingeführt und ist damit das erste einheitliche im Lande (Anregung des RV).

Berlin, am 18. Dezember. Das erste Pergamon-Museum wird im Beisein von Wilhelm II. der Öffentlichkeit übergeben. Hauptattraktion ist der 1873 von dem deutschen Ingenieur Carl Humann bei Straßenbauarbeiten im Osmanischem Reich entdeckte Zeusaltar aus dem antiken Pergamon.

1902

076Berlin, im Januar. Die Direktion der Kunstschule für Juweliere, Gold- und Silberschmiede hat beschlossen auch Uhrmacher, Graveure, Ziseleure und Gürtler zum Unterricht zuzulassen.

Berlin, am 23. Januar. Der stellv. OM Paul Telge, seines Zeichens rumänischer Hof- und herzoglich-sächsischer Hofjuwelier, feiert seine silberne Hochzeit. Telge ist Verfasser der Festschrift des letzten Berliner Goldschmiedetages. Leipzig / DGZ Nr. 24. Syndikus Hermann Pilz veröffentlicht in der „Deutsche Goldschmiede Zeitung“ einen mehrseitigen Artikel mit dem Titel: „Der Befähigungsnachweis, seine Vorteile und seine Gefahren.“

Stuttgart, Sonntag am 25. Mai. Auf der „Silberburg“ hält der Verein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede Württembergs seine 1. ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende Emil Föhr eröffnet. Er brachte zu Gehör, dass sich der Verein gut entwickelt hat; gegr. 1901 mit 59 Mitgliedern, heute 82. Der Verbandstag im vergangenen Jahr in Stuttgart wird als ein großer Erfolg eingeschätzt. Die Ulmer Kollegen stellen einen Antrag, er betrifft das Hausieren in staatlichen Werkstätten und Kasernen. Es wird erforderlich die Beiträge zu erhöhen. Er beträgt ab sofort pro Jahr 2 Mark.

Frankfurt. Der Finanzmann Julius H. Jeidels verstirbt. Jeidels besaß die größte Sammlung von Goldschmiedebüchern (über 5000 Stück), darunter auch seltene Exemplare über Cellini. 

Hanau. Die Staatliche Zeichenakademie erhält den Status „Fachhochschule“.

Pforzheim. Rudolf Rücklin und Kommerzienrat Gesell verfassen eine Denkschrift mit dem Titel: „Die Neuorganisation der Goldschmiedeschule“.

Dresden. Der Reichsverband der Juweliere, Gold- und Silberschmiede hält seine Tagung in der Stadt ab.

Berlin (Charlottenburg), am 2. November. Die neuen Gebäude der Hochschule der bildenden Künste und der Hochschule für Musik werden eingeweiht. Die im neobarocken Stil errichteten Bauten in der Hardenbergstraße kosten insgesamt vier Millionen Mark.

1903

Görlitz. Die „Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz“ schließt sich dem Reichsverband an. Das ist als logische Folge zu sehen, da sich Görlitzer Meister, besonders Herr Finster, für das Entstehen des „Großen Verbandes“ stark eingesetzt haben.

Berlin, am 11. März. Obermeister Fischer beruft eine Versammlung zur Besprechung der Fachschule ein. Um 9 Uhr eröffnet Herr Fischer die Sitzung und begrüßt die Herren Schaper, Felix Schlesinger, Proll, Lebram, Hagenmayer, Leonhardt, Menzel und Oskar Müller. Es geht um die finanzielle Absicherung der Fachschule. Das Schulgeld von ca. 250 Schülern beträgt zwischen 8 bis 12 Mark, die zur Deckung der Kosten noch nicht ausreichen. Es wird berichtet, dass bereits über 2000,- Mark an Spenden jährlich eingehen. Herr Fischer betont nochmals, dass die Zeichner als Schulpatrone über die Schule mitzureden haben.

Neumünster, am 15. März. Auf Einladung des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede findet eine Versammlung statt. Juwelier E. Hansohm aus Kiel schildert das Ziel, einen Verein zu gründen. Laut Liste sind 28 Herren aus ganz Schleswig-Holstein anwesend. Gewählt werden: 1. Vors. Hansohm, 2.Vors. Hansen, Kassierer O. Breede, Schriftführer W. Stein, alle aus Kiel. Herr Fischer vom RV beglückwünscht den Vorstand und empfiehlt den Beitritt zum Verband. Der Jahresbeitrag für den Provinzialverein beträgt 6 Mark.

Köln. Tagung des Reichsverbandes der Juweliere, Gold und Silberschmiede in der Domstadt.

Sachsen. Wegen des steigenden Verlustes wird der Silberbergbau im Lande stark eingeschränkt. Ursache sind der sinkende Silberpreis und zunehmende Importe. Die Auflassung der Gruben wird bis zum Jahr 1914 beschlossen.

Leipzig. Der Diebener-Verlag gibt erstmalig das „Adress- und Handelsbuch für das Goldschmiede-Gewerbe“ heraus.

Stuttgart. Goldschmied Paul Haustein wird in die Künstlerkolonie nach Darmstadt berufen. Haustein, im Mai 1880 in Chemnitz geboren, ist seit 1899 ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift „Jugend“.

Berlin / München. Der Zentralausschuss des Allgemeinen Gewerbevereins München hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, rechtliche Schritte gegen das Berliner Offiziers- und Beamtenwarenhaus einzuleiten. „Journal der Goldschmiedekunst“. In der Dezemberausgabe schreibt das Blatt: „In einzelnen Ortsgruppen und zu dem Verbande gehörigen Vereinigungen und Innungen ­herrscht noch nicht die Harmonie, welche zu einer ersprießlichen Zusammenwirkung erforderlich wäre …. Der Verband will aber mit seiner Allgemeinheit nicht nur der Stützpunkt des einzelnen sein, sondern ist auch tatsächlich der Mahner, der an der Pforte der klaren Einsicht jedes Berufsgenossen klopft und ihn zwingen will, dieselbe zu öffnen…“

Weimar, am 15. Dezember. Vertreter der Sezessionen aus Berlin, München, Karlsruhe und weiteren Kunstzentren gründen den „Deutschen Künstlerbund“. Den Vorsitz übernimmt Leopold Graf von Kalckreuth; Max Liebermann wird einer der Vizepräsidenten des Verbandes.

1904

Berlin, am 16. Januar. Das neue Gebäude des preußischen Herrenhauses, der ersten Kammer des Preußischen Landtages, wird eingeweiht. Es grenzt rückseitig an das 1899 übergebene neue Abgeordnetenhaus und bildet mit diesem ein palastartiges Ensemble im Stile des 18. Jahrhunderts.

Berlin, am 16. Februar. Mit scharfer Kritik reagieren Repräsentanten aller im Reichstag vertretenen Parteien auf die Auswahl der deutschen Kunstwerke für die Weltausstellung in St. Louis, in der sich die Vorliebe des Kaisers für die traditionelle Malerei im Stile Anton von Werners und seine brüske Ablehnung der „Berliner Sezessionisten“ widerspiegelt.

Dresden, im Frühjahr. Eine nachahmenswerte Bekanntmachung erlässt der Rat der Stadt Dresden; sie lautet: „Wiederholt vorgekommene Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des § 56,3 der Reichs-Gewerbe-Ordnung, nach welchen Gold- und Silberwaren, Bruchgold und Bruchsilber sowie Taschenuhren vom Ankauf oder Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossen sind, veranlassen uns, dieselben mit dem Bemerken in Erinnerung zu bringen, dass Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen in Gemäßheit von § 148,7a der Reichs-Gewerbe-Ordnung mit Geldstrafen bis zu 150 Mark, im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft werden. Eine gleiche Strafe haben nach § 148,5 der Reichs-Gewerbe-Ordnung auch diejenigen zu gewärtigen, welche dem § 42a der Reichs-Gewerbe-Ordnung zuwider Gegenstände, die von dem Ankauf oder Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossen sind, innerhalb des Gemeindebezirkes des Wohnorts oder der gewerblichen Niederlassung von Haus zu Haus oder öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten feilbieten, oder zum Wiederverkauf anbieten.“

Halle. Reichsverbandstagung in der Saalestadt.

Hanau, zu Pfingsten. In der Zeichenakademie werden Schülerarbeiten ausgestellt.

Leipzig / St. Louis, USA. Herrn Diebener, vom gleichnamigen Verlag, ist auf der Weltausstellung von der internationalen Preisjury die bronzene Medaille zuerkannt worden. Pforzheim. Rudolf Rücklin wird zum Professor ernannt und ein Jahr darauf an die Goldschmiedeschule Pforzheim berufen.

Berlin, am 10. Oktober. Mit der Gründung des „Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins“ beginnt die proletarische Jugendbewegung in Deutschland.

Stuttgart, am 17. Oktober. Kommerzienrat Eduard Föhr ist gestorben. Der Goldschmied Föhr konnte erst am 12.2.1901 sein 100-jähriges Firmenjubiläum feiern. Zu seinen Kunden zählte auch Kaiser Wilhelm II. Pforzheim, im Oktober. Unter dem Titel „Schmuck“ erscheint im Verlag Birkner & Brecht ein Buch von Prof. G. Kleemann mit sehr modernen Schmuckentwürfen. Der Preis der Prachtausgabe beträgt 15,00 Mark.

Berlin, am 18. Oktober. Auf der Berliner Museumsinsel wird das Kaiser-Friedrich-Museum eingeweiht. Schwerpunkte der Sammlung sind die altdeutsche Malerei und die Kunst der Renaissance. Die von Wilhelm Bode arrangierte Präsentation sorgt für Aufsehen, denn in den einzelnen Räumen werden verschiedenartige Ausstellungsstücke einer Epoche gezeigt.

1905

Berlin, am 22. Februar. Der Reichstag verabschiedet neue Handelsverträge mit zahlreichen Außenhandelspartnern Deutschlands. Die Verträge begünstigen die deutsche Landwirtschaft.

Leipzig, Ende März. Für „Werkstattvorlagen im Kleinbetrieb“ wird vom Reichsverband ein Wettbewerb veranstaltet.

Hanau, am 1. April. Die Leitung der Zeichenakademie übernimmt Prof. Hugo Leven. Der Neubau der Akademie kann in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiern.

Dresden, am 7. Juni. Vier Studenten der Architektur und der Malerei: Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl gründen die Künstlervereinigung „Die Brücke“. In ihr finden die herausragenden Vertreter des deutschen Expressionismus ihre Heimstatt.

Schwerin, im Sommer. OM L. Schmieth verbreitet unter seinen Kollegen eine Reparaturpreisliste, welche die Zustimmung der Kollegen erfährt.

München. Der Reichsverband der Goldschmiede tagt in der bayrischen Hauptstadt.

Pforzheim, im Herbst. Die Firma Kollmar & Jourdan beschäftigt 640 Arbeiter.

Hanau. Die Fachschule für Edelmetallindustrie schreibt den Wettbewerb zum „Wilhelm Müller-Preis“ aus.

Leipzig. Die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ macht mit einer „Agitation“ Front gegen unlautere Versandgeschäfte. Lesermeinungen und Wünsche dazu erwartet das Blatt bis 15. Januar 1906.

Görlitz. Auf der Gewerbeausstellung wird ein silberner Becher von Willibald Finster gezeigt, der mit einer goldenen Ausstellungsmedaille geehrt wurde. Der Becher ist eine Nachbildung des „Dicken Turmes“ der Stadt, das Dach als Deckel abnehmbar. Nach altem Handwerksbrauch wurde der Becher, als er „aus dem Feuer“ war, von Meis­ter und Gesellen einer Dichtigkeitsprobe durch einige Flaschen Wein unterzogen.

Deutschland. Der Reichsverband der Innungen zählt 2380 Mitgliedsbetriebe.

1906

Berlin, am 24. Januar. In der Nationalgalerie wird die „Deutsche Jahrhundertausstellung“ eröffnet. Sie zeigt Werke deutscher Maler aus dem Zeitraum 1775036 bis 1875.

Dresden. Auf der III. Kunstgewerbeausstellung zu Dresden wird dem Goldschmied Scharffenberg die silberne Staatsmedaille anerkannt. Aus der Werkstätte gingen unter anderem bedeutende Arbeiten, auch die Amtskette für den Oberbürgermeister, den Rat und die Stadtverordneten zu Dresden sowie die goldene Rektoratskette der technischen Hochschule, hervor. Georg Scharffenberg legte 1904 seine Meisterprüfung ab, die Firma wurde 1834 gegründet.

Schwäb. Gmünd. Die Fachschule besuchen 35 Graveure, 20 Ziseleure, 21 Goldschmiede, 6 Zeichner und Modelleure, 1 Guillocheur und 1 Zeichenlehrer.

Deutschland, am 19. Mai. Mit der Erbschaftssteuer wird die erste direkte Reichssteuer bewilligt. Die Tabaksteuer und Quittungsstempel werden aufgehoben. Dafür werden neue Steuern wie die Brau-, Automobil- und Zigarettensteuer eingeführt. Das Defizit im Reichsetat bleibt bestehen.

Eisenach. Tagung des Reichsverbandes der Gold- und Silberschmiede in Thüringen. Görlitz. Die „Freie Vereinigung“ erarbeitet einheitliche Reparatur- und Trauringpreise. Auch für silberne Bestecke werden kostendeckende Preise herausgegeben, die in ganz Deutschland Anwendung finden sollten.

Frankfurt/M., im Oktober. Im Kunstgewerbemuseum wird in einer Sonderausstellung eine einzigartige Ringsammlung aus Privatbesitz gezeigt. Es handelt sich um ca. 1.200 Stück, von der Antike bis zur Gegenwart.

Berlin, Ende Oktober. In Gemeinschaft mit dem Kreditoren-Verein Pforzheim, dem Verband der Grossisten des Edelmetallgewerbes und dem Verband der Silberwarenfabrikanten Deutschlands erfolgt die Gründung einer „Einbruchskasse für das Edelmetallgewerbe“.

Berlin, am 28. Oktober. Die Vorstandssitzung des Ausschusses der Deutschen Juweliere, Gold- und Silberschmiede wird abgehalten und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Versicherungsschutz der Mitglieder und mit der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit der Juweliere zur Lagerei-Berufsgenossenschaft.

Görlitz, am 7. November. Sitzung der Vereinigung der Gold- und Silberschmiede zu Görlitz. OM Finster gedenkt der Fa. R. Höfer zu ihrem 50-jährigen Geschäftsjubiläum. Der „Goldarbeitergehilfenverein“ bittet um eine einheitliche Arbeitszeit: Sonnabends Abends um 6 Uhr Schluss in allen Geschäften; Mittagspause von 1 Stunde durchweg; Aufschlag von mindesten 25% für Überstunden und Lohnerhöhung von 5%. Nächste Sitzung ist für den 9. Januar 1907 geplant.

Dresden. Es wird damit begonnen, eine Lehrlings- und Gesellenstück-Ausstellung alljährlich zu organisieren. Die Ausstellung entwickelt sich ständig weiter und wird zu einer Tradition der Dresdner Innung.

1907

Berlin, am 1. Januar. Der Reichsverband der Goldschmiede macht eine Eingabe an den Deutschen Reichstag und verlangt ein Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb mit Diamanten. Es soll eine Bestimmung erlassen werden, nach welcher im Handel mit Diamant-Imitationen keine Bezeichnung gewählt werden dürfe, die den Glauben erwecke, dass es sich um echte Diamanten handle.

Berlin, am Donnerstag den 16. Januar um 18.15 Uhr. Vorstandssitzung des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Anwesend: Herren Menzel, Müller und Fischer. Entschuldigt Herr Telge. Ort: Oranienstraße 143.

Augsburg, am 8. Februar. Goldschmiedemeister Höfle trägt einen Fall unlauteren Wettbewerbs gegen den Uhrmacher und Goldwarenhändler Karl Rüdling vor. Es geht um eine Annonce in den hiesigen Lokalblättern. Text: „Großer Ausverkauf wegen Überfüllung meines Warenlagers zu außerordentlichen billigen Preisen“.

Leipzig, am 21 April. Am Sonntag fand in der Stadt die IX. Konferenz der Vertreter der Interessenverbände der Uhren- und Goldwarenbranche statt. Namhafte Vertreter: 1. Vorsitzender des RV Wilhelm Fischer; 1. Vorsitzender des Grossis­tenverbandes Herr Baumert; 1. Vorsitzender des ZV deutscher Uhrmacher Robert Freygang; 1. Vorsitzender des deutschen Uhrmacherbundes Herr Carl Marsfelder; 1. Vorsitzender der Uhrengrossisten Herr Popitz.

Deutschland, am 1. Juli. Das neue Kunstschutzgesetz, das am 9. Januar verabschiedet wurde, tritt in Kraft. Geschützt werden Werke der bildenden Kunst und der Fotografie. Als Urheber gilt nicht wer die Idee dem Werke gab, sondern wer das Werk ausführte. Beispiel: Urheber ist der Goldschmied, der den Schmuck angefertigt hat. Speziell für das Goldschmiedehandwerk kommentierte das Gesetz Prof. Dr. A. Osterrieth und veröffentlicht seine Gedanken bei Karl Heymann, Berlin.

Leipzig. Im Grassi-Museum werden hervorragende Arbeiten sächsischer Goldschmiede gezeigt.

Deutschland. Die Zwangsinnungen bilden einen eigenen Gesellenprüfungsausschuss. Freie Innungen können nur abnehmen, wenn sie zur Abnahme von Prüfungen durch die HWK ermächtigt sind.

Kiel. Der Reichsverband tagt in der Stadt.

Leipzig. Die „DGZ“ schreibt ihren 2. Lehrlingswettbewerb aus.

Deutschland, am 1. Oktober. Der Taler wird aus dem Verkehr gezogen. Die noch im Umlauf befindlichen Stücke sind Siegestaler aus den Jahren 1823 und 1871.

Dresden. Obermeister Hermann Eckhardt verstirbt.

Hanau, am 3. Dezember. Der Akademische Verein „Cellini“ feiert sein 13-jähriges Stiftungsfest.

1908

Deutschland, im Januar. Die Edelmetallpreise lauten wie folgt: Silber pro Kilo: 76,50 Mark; Gold pro Kilo: 2810,00 Mark; Platin pro Kilo: 3500,00 Mark.

Berlin, am 16. Januar um 18.15 Uhr. In der Geschäftsstelle des Reichsinnungsverbandes, Oranienstraße 143, findet die Vorstandssitzung des Verbandes statt.

Heidelberg. Der Reichsverbandstag der Juweliere, Gold- und Silberschmiede wird in der Stadt ausgerichtet.

Sachsen. Der „Kleine Befähigungsnachweis“ wird eingeführt.

1908

Deutschland, am 30. Mai. Einführung der neuen Maß- und Gewichtsordnung im Reich.

Heidelberg. Verbandstagung in der Stadt. Die Fachpresse weigert sich, ein von der Verbandstagung wichtiges Referat zum Abdruck zu bringen. Diese Situation veranlasst den Vorstand und Ausschuss des RV, eine eigene offizielle Verbandszeitung herauszugeben.

Aue, im Juli. König Friedrich August v. Sachsen besucht den Auerhammer.

Dresden. Der Goldschmied Richard Garten arbeitet an einem kleinen Hilfsbüchlein für das Goldschmiedehandwerk. Es wird unter dem Namen „Klammerbuch“ verlegt und erfreut sich sehr großer Beliebtheit.

Berlin, am 18. Oktober. Zum ersten Mal erscheint eine verbandseigene Zeitung. Titel: „Mitteilungen des Verbandes deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede“.

Pforzheim. Eine „Deutsche Edelstein und Schmuck-Zeitung“ erscheint erstmalig. 

Deutschland. In der „DGZ Offener Sprechsaal“. Diskutiert wird das Punzierungsgesetz. Abgedruckt wird eine Leserzuschrift aus Prag, wo das österreichische Gesetz gilt.

1909

Leipzig, im Januar. Die „DGZ“ bringt eine Stellungnahme mit dem Titel: „Saison- und Inventurausverkäufe unter dem neuen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb.“

 Augsburg, am 1. Februar. Obermeister Schmedding ließ zum Schluss der Innungsversammlung das Original des Afra-Hirnchen Testament von 1429 zirkulieren.

Deutschland. Geheimrat Miethe arbeitet an der „Edelsteinverbesserung“ durch Radium.

Olbernhau, im Juni. König Friedrich August v. Sachsen besichtigt den Kupferhammer Grünthal.

Berlin, am 21. und 22. Juni. Dritter Kongress deutscher Kunstgewerbetreibender. Obermeister Rudolf Menzel von der Berliner Gold- und Silberschmiede-Innung referierte über Berufsschulen, Pflichtfortbildungsschulen und andere Bildungseinrichtungen im Kunsthandwerk.

Schwäbisch Gmünd, am 5. Juli. Die Goldschmiedeschule, verbunden mit dem Kunstgewerbemuseum, wird eingeweiht.

Deutschland, im September. Der Platinpreis hat seinen Tiefpunkt erreicht. Das Gramm kostet 2,55 Mark. Feingold kostet à Gramm 2,80 Mark und Silber das Kilo 75,00 Mark.

Breslau, am 29. September. Lichtegansfeier der Gold- und Silberschmiede-Innung. Der Brauch geht zurück auf das Fest des hl. Michael (Mainzer Konzil 29. September 813). Der hl. Michael ist der Schutzpatron einiger Handwerker, unter anderen auch der Vergolder. Mit der Lichtegans oder auch Michael-Gans beginnt für die Handwerker die lichtarme Zeit, die „Sommerzeit“ ist zu Ende. Mit der „Winterzeit“ wird wieder eine Stunde früher – um 7 Uhr abends – Feierabend geläutet. Zu diesem Fest wird eine Gans, die „Lichtegans“ verzehrt.

Hannover. Tagung des Reichsverbandes in der Niedersächsischen Hauptstadt. Die Satzung wird mit dem Ziel geändert, dem Ausschuss eine größere Selbstständigkeit zu geben.

Berlin. Paul Telge und Obermeister Roßbach aus Berlin, Mitbegründer des Reichsverbandes, sind gestorben.

1910

Augsburg, am 31. Januar. Die Innungsmitglieder wünschen ein Mitgliederverzeichnis vom RV mit den Namen der Betriebe, die im Verband organisiert sind. Weiter beschließt die Innungsversammlung alljährlich einen „Innungs-Gottesdienst“ abzuhalten.

Deutschland. Das Wert-Verhältnis von Gold und Silber beträgt 38 :

Berlin. Der deutsche Goldschmiedeverband zählt 2.500 Mitglieder.

Bitterfeld. In den Chemiebetrieben werden die ersten synthetischen Edelsteine im Verneul-Verfahren hergestellt.

Gotha. Von J. G. Rosenberg erscheint ein Goldschmiedebuch über Techniken und speziell über Granulation. Preis: ca. 150,- Mark.

Köln, am 19. September. 4. Kongress deutscher Kunstgewerbetreibender und Handwerker. Der Vorsitzende der Berliner Handwerkskammer, C. Rahardt, berichtet ausführlich über die Fortbildungsmöglichkeiten an den Kunstgewerbeschulen. Die Kosten für die einzelnen Schüler belaufen sich pro Jahr auf durchschnittlich etwa 900 Mark.

Straßburg i.E., am 1. Oktober. Der Kunstgewerbe-Verein Elsass-Lothringen stellt im Alten Schloss zu Straßburg kunstgewerbliche Metallarbeiten aus. Zu sehen sind auch Arbeiten von Ph. Oberle, Goldschmied in Straßburg.

Heidelberg, im Oktober. Goldschmiedemeister und Hofgoldschmied Nicolaus Trübner verstirbt.Deutschland. In vielen Großstädten geht eine amerikanische Schwindelaktion über die Bühne. In Hauptverkehrsstraßen wurden Läden Tag und Nacht phantastisch beleuchtet und mit so genannten „Taitsdiamanten“ aufgefüllt. Auf drehbaren Ständern, dazwischen gestreut einige Stücke mit einer winzigen kleinen Rose. Wer dieses echte Diamantstück herausfand, bekam es für den Einheitspreis, der von Monat zu Monat gesenkt wurde, um den Verkauf wieder anzureißen. Als Inhaberin war eine Rosalie Taits aus New York genannt, die aber nicht auffindbar war. Der Gegenkampf zu dieser Aktion kos­tete die Innungen viel Mühe, ohne rechten Erfolg.

Berlin. Tagung des Reichsverbandes in der Hauptstadt. Der Grundbeitrag im Reichsverband beträgt pro Mitglied und Jahr 12,00 RM. Der Beitrag wird nach Umsatz und nach der Zahl der Beschäftigten gestaffelt. Für außerordentliche Mitglieder wird der Beitrag von 36,00 RM erhoben. Der Reichsverband verlangt „gesetzliche Maßregeln“ um die unlauteren Aktionen einzudämmen.

Augsburg. Die Witwe des Bankiers August Bühler stiftet der Stadt Augsburg einen „Goldschmiede-Brunnen“. Der Berliner Bildhauer Hugo Kaufmann, ein Neffe der Stifterin, gestaltet den Brunnen, der auf dem Annaplatz errichtet wird (Weihe 1912).