1911
Berlin, am 1. Januar. Das Handelshaus Hagenmeyer & Kirchner in der Unterwasserstraße 9a kann sein 30-jähriges Bestehen feiern.
Leipzig, am 1. Januar. Die „Goldschmiedekunst“ bekommt ein neues Outfit. Die Zeitung vom Verlag Hermann Schlag, Inhaber Felix Heinze, erscheint im 32. Jahrgang. Die „neue“ Zeitung beginnt mit dem Schiller-Spruch: „Das alte stürzt, es ändert sich die Zeit.“
Dresden. V. Kongress deutscher Kunstgewerbetreibender und Handwerker; Punkt 4: „Der unlautere Wettbewerb im Edelmetallgewerbe.“ Referenten: OM Menzel und Oscar Müller, Berlin.
Deutschland, am 4. Februar. Die Edelmetallpreise sind wie folgt: Reichsbankankaufspreis (Bruchgold) 2784,00 Mark per Kilo. Verkaufspreis Feingold (elektrolytisches) 2810,00 Mark per Kilo. Silberkurs der Hamburger Börse 70,75 Mark per Kilo. Silberpreis des Verbandes der Silberwarenfabriken 64,00 Mark per Kilo 800/000 Silber.
Leipzig, am 18. März. Die Schriftleitung der DGZ: Kunstgewerblicher Teil: Prof. Rücklin, Pforzheim / Wirtschaftlicher Teil: Syndikus H. Pilz / Fachtechnischer Teil: Goldschmied Hermann Schmidhuber, Leipzig.
Dresden, am 25. März. Der Gold- und Silberschmiedegehilfenverein „Dinglinger“ hält seine Hauptversammlung ab. Antrag: „… kranken und stellenlosen Mitgliedern eine Beihilfe auf Dauer von 6 Wochen zu gewähren.“
Vors.: Koll. Voigt; 2. Vors.: Koll. Waldmann; Kassierer: Ripena; Schriftführer: Anlauff; Vereinslokal: „Kronprinz Rudolf“. Deutschland. Ein m3 Leuchtgas kostet 12 Pfennig. Ein 4-PS-Gasmotor kostet bei 10-stündigem Betrieb jährlich 936,- Mark. Ein gleichstarker E-Motor vergleichsweise 2.160,- Mark.
Amsterdam. Das neue Gebäude der Diamantbörse wird errichtet.
Leipzig, am 3. April. Die Leipziger Gehilfenvereinigung hält ihre Generalversammlung im „Zills Tunnel“, Barfußgäßchen, ab. Vors. Herr Ketscher; Kassierer: Herr Räbel; Schriftführer: Herr Kern.
Görlitz, am 5. April. Es tagt die „Freie Vereinigung der Gold- und Silberschmiede“. Vorsitzender: Finster; Schriftführer: Scholze; Kassierer: Bauer. „Die eingezogenen Strafgelder von 5,75 Mark sind an die Unterstützungskasse bedürftiger Goldschmiede überwiesen worden.“Die geplante Frühjahrsfahrt des Vereins soll nach Friedland in Böhmen führen.
Hanau, vom 7. bis 14. April. Die Königl. Zeichenakademie stellt Schülerarbeiten aus.
Rothenburg o.T., vom 4. bis 7. August. 11. Verbandstag der Deutschen Juweliere, Gold- und Silberschmiede in der alten Reichsstadt. Begrüßung im Hotel Bären. Eröffnung der Tagung im Rathaus, durch den 1. Vors. und Ehrenobermeister Fischer, Berlin. Begrüßungsansprache Bürgermeister Siebert. Vermeldet werden 70 Neuaufnahmen. Beklagt wird eine steigende Zunahme von Einbrüchen. Die Einbruchskasse, die 1033 Mitglieder zählt, war in der Lage alle Schäden zu regulieren. Als nützlich wird die Kommission zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs eingeschätzt. Jahresbeiträge des RV: 8.395 Mark. Kassenbestand: 3.082 Mark. Vermögen der Unterstützungskasse: 9.983 Mark. Schatzmeister Arthur Schmidt, Berlin, bittet um Rücktritt. Neuer Schatzmeister wird Hermann Hagenmayer. Bericht von Hofjuwelier Werner, Berlin, der als Abgeordneter des Verbandes an der Generalversammlung des englischen Schwesterverbandes in Birmingham weilte. An die Staatsregierung wird eine Resolution erlassen, die sich mit den Auswüchsen des unlauteren Wettbewerbs befasst.
Deutschland, am 30. Mai. Der Deutsche Reichstag verabschiedet mit 232 Stimmen gegen 58 Stimmen die Reichsversicherungsordnung. Mit ihr werden die aus der Bismarck-Zeit stammenden Sozialgesetze wesentlich erweitert.
Eisenach, Pfingsten am 8. und 9. Juni. Deutsche Schulausstellung der Edelmetall-Lehrlinge. Der Aufruf dazu ging an alle derartigen Bildungseinrichtungen des Reiches. Beteiligt waren die Schulen von Breslau, Schwäb.Gmünd, Hanau, Hamburg, Pforzheim.
Augsburg, am 28. August. Innungsversammlung; TOP: „Bericht über den Verbandstag in Rothenburg o.T.“ Es wird dargelegt: „Die Rothenburger Verbandstage haben wieder bewiesen mit welchen Unsummen von Fleiß die Verbandstage ausgerichtet wurden.“
Dresden. Der letzte bedeutende Stempelschneider Sachsens, Wilhelm Hörnlein (geb. 16.08.1873, gest. 13.03.1945), begann seine Arbeit für die Sächsische Staatsmünze. Hörnlein schuf hervorragende Münzen und Medaillen, unter vielen auch die seltenste deutsche Münze, das 3-Mark-Stück mit dem Bildnis Friedrich des Weisen (1913).
Hamburg. Alexander Schönauer, Leiter der Klasse für Edelmetalltechnik an der Kunstgewerbeschule Hamburg, wird zum Professor ernannt. Schönauer, geb. 1871 in München, erlernte das Goldschmiedehandwerk in seiner Geburtsstadt bei Fritz Miller.
Berlin. Ewald Menzel wird in Berlin zum 1. Obermeister gewählt (Im Amt bis 1921).
Dresden, im September. Es tagt der 5. Kongress deutscher Kunstgewerbetreibender. Herr Kimpel referierte über das Thema: „Das freie Spiel der Kräfte und seine Wirkung auf die produzierenden Stände.“
Augsburg, am 1. Oktober. Der Verein der Juweliere, Gold- und Silberschmiede gibt sich eine neue Satzung.
Berlin, im Herbst. Das Handelshaus der Branche, Rudolf Flume, Beuthstraße 19, gibt anlässlich seines 25-jährigen Geschäftsjubiläums einen 682 Seiten umfassenden Katalog heraus. DGZ/Nr. 15/1911. Diese „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“ wird als 14. Jahrgang bezeichnet.
Deutschland, im Dezember. Edelmetall-Ankaufpreise per Gramm: 333 Gold = 0,80 RM / 585 Gold = 1,50 RM / 750 Gold = 2,00 RM / Platin = 4,80 RM
München, am 18. Dezember. Die erste Ausstellung der von Wassily Kandinsky und Franz Marc initiierten Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ eröffnet. Die Ausstellung wird 1912 auch in anderen deutschen Städten gezeigt.
1912
Liegnitz, am 26. März. Innungsversammlung der Gold- und Silberschmiede-Innung im Quartrathaus. Gast ist Herr Willy Johnke, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede, der den Beitritt von Einzelmitgliedern zu unterstützen versprach.
Bielefeld, am 1. April. Goldwarenfirma August Schlüter. Dem Herrn August Schlüter ist Prokura erteilt.
Leipzig. Das „Diebener Monogramm-Buch“ – im Prachtband gebunden – kostet 30,00 Mark. „Die Deutsche Goldschmiedekunst“, Verlag Hermann Schlag, Leipzig, berichtet, dass der Wettbewerb für künstlerische Entwürfe zu Schmuck und Zierrat insgesamt 1.092 Blatt Zeichnungen, mit 6.423 Einzelentwürfen erbracht hat. Die Einsender kommen aus ganz Europa und am 22. April werden die Preise vergeben.
Berlin-Schöneberg, am 15. April. Die 2. Quartalsversammlung der Innung im Restaurant Nollendorfhof. TOP 2: Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs im Edelmetallgewerbe (Koll. Holöhr). TOP 5: Bericht über die Gründung der Fachschule (OM Tietsch). TOP 9: Besprechung über die Herrenpartie.
Magdeburg, am 22. April. Tagung der Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede im City-Hotel. TOP 3: Vorbesprechung über den Verbandstag in Breslau.
Breslau. Verbandstag der Gold- und Silberschmiede in Schlesien. „Die Goldschmiedekunst“, im Mai. In der Fachzeitschrift wird über eine starke Zunahme von „wucherischen Abzahlungsgeschäften“ und „Schuldenmachern“ berichtet. Das Blatt stellt fest: „… und er empfindet es weniger schwer, zehnmal zehn Mark zu zahlen, als nur einmal dreißig Mark …“
Deutschland. Der Platin-Preis liegt pro Gramm bei 6,10 Mark. Vor etwa 20 Jahren kostete das Gramm 0,90 Mark.
Helmstedt, am 1. September. Goldschmiedemeister Jean Emmel übernimmt die 1889 gegründete Goldschmiede von Oskar Weidemann, der in den Ruhestand tritt.
Görlitz. Der Goldschmied E. Kalkbrenner (* 1866) schreibt seine Lebenserinnerungen auf, die er in schlesischen Werkstätten gemacht hat. Die Aufsätze werden in Fachzeitschriften veröffentlicht.
Pforzheim. An der Goldschmiedeschule wird von einigen begabten Schülern die „Kunstgewerbeschüler-Vereinigung“ (KSV) gegründet. Die Vereinigung wurde später in „Zunft Turm“ umbenannt.
1913
Deutschland. Es erscheint die erste Ausgabe des „Deutschen Goldschmiede-Jahrbuches“ im Verlag Schlag Nachf. Leipzig.
Bayern. Dem Magistrat von München, Nürnberg und Augsburg wurden „die Amtsketten wie sie in Dresden in Gebrauch sind vorgelegt, um evtl. ähnliche herstellen zu lassen.“
Berlin, am 22. Februar. Der Vorsitzende des Reichsverbandes Wilhelm Fischer wird 60 Jahre alt.
Schwäb. Gmünd, vom 6. bis 13. April. In der Aula der Fachschule werden Schülerarbeiten der Öffentlichkeit gezeigt. Leipzig. Juwelier und Edelsteinexperte Wilhelm Rau, Schlegelstraße 7, hat einen „Gewichtsmesser“ für Brillanten und Perlen unter dem Namen „PEZOMETER“ als D.R.G.M. angemeldet und vertreibt das Instrument für 15,- Mark.
Gera, am 19. Mai. Die „Freie Vereinigung der Juweliere, Gold- und Silberschmiede und Graveure“ (Freie Innung) hält ihre Hauptversammlung im Altenburger „Johannisgarten“ ab.
Deutschland. Edelmetallpreise je Gramm: Gold ‑‑2,80 RM / Platin 4,20 RM / Silber 0,08 RM
Augsburg, am 16. Juni. Auf der Tagesordnung der Innungsversammlung steht ein Bericht über die „Verbandstage in Breslau“ und ein Referat „über die Einbruchsversicherungen des Verbandes“.
Dresden am 9. Juli. Die 61. Hauptversammlung der Goldschmiede-Zwangsinnung zu Dresden findet in Kneists Restaurant statt. Die Sitzung eröffnete der Herr Königl. Hofgoldschmied Eckert. Er nahm 15 Lehrlinge in die Innung auf und ordnete an, dass Gehilfen mit ausländischen Arbeitsbüchern nicht mehr in Stellung genommen werden dürfen.
Berlin, am 16. Juli. 3. Quartalsversammlung der Juwelier-, Gold- und Silberschmiede-Zwangsinnung i.d.G. Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Deutsch-Wilmersdorf und Charlottenburg (Sitz Schöneberg). Tagesordnung: Besprechung über einen Antrag an den Verband. Zum stellv. OM wird Kollege Holöhr gewählt.
Schwäb. Gmünd. Das preuß. Handelsministerium genehmigt, dass der Fachschule eine Diamantschleiferei angegliedert wird.
Leipzig, am 3. und 4. August. Der Sächsische Innungsverbandstag findet in der Messestadt statt.
Pforzheim. Die Doublékettenfabrik Fr. Speidel, 1868 in Esslingen gegründet, beschäftigt 1.300 Arbeiter.
Goslar, vom 8. bis 11. August. Goldschmiedeverbandstag im Harz. Dresden. Der Direktor des Grünen Gewölbes J.L. Sponsel ordnet die Sammlung und stellt sie ein Jahr später ganz neu gestaltet dem Publikum vor.
Neuß am Rhein. Die „Versicherungsgesellschaft Rheinland“ verlangt für ihre Einbruchversicherung von den Goldschmieden eine Prämie von 2% jährlich auf die Versicherungssumme.
Hannover. Goldschmiedemeister Lameyer fertigt eine Amtskette für den Oberbürgermeister der Stadt.
Schwäb. Gmünd. Im Wettbewerb der Stadt erzielt Gustav Jourdan den 1. Preis. Aue/Sa. Die weltbekannte Firma August Wellner & Söhne wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Kapital nebst Reserven beträgt 6 Millionen Mark.
Dresden. Die Goldschmiede Alfons Ungerer und Hermann Ehrenlechner stellen ihre Goldschmiedearbeiten im Jugendstil aus.
Deutschland. Das Platin erfährt hohe Preissteigerung und kostet zur Zeit per Gramm etwa 6,10 Mark.
Berlin. Der Kaiser feiert sein 25-jähriges Regierungsjubiläum (Kaiserjubiläum).
Görlitz. Entwürfe für hochwertige Schmuckstücke veröffentlicht Rose Moser.
Sachsen. Der Sächs. Kunstverein macht eine Ausschreibung zum Entwurf und Herstellung einer Plakette, die in 2.600 Stück Auflage gefertigt werden soll.
1914
Deutschland. Die Altgoldpreise lauten wie folgt: 1 g 333/- = 0,70 RM / 1 g 585/- = 1,30 RM / 1 g 750/- = 1,80 RM / 1 g 900/- = 2,10 RM
Berlin / Köln. Wilhelm Fischer, der ehemalige Vorsitzende des Verbandes verstirbt, ebenso der Ausschussvorsitzende des Verbandes Karl Becker aus Köln.
Berlin, am 6. April. Das Warenhaus Wertheim geht in Konkurs. Eine bisher noch nie dagewesene Reklame begleiten die „Unterwertverkäufe“.
Köln. Auf der „Deutschen Werkbund-Ausstellung Köln“ stellen u.a. Prof. Walter Klein, Johann Rettenmaier, H. Weingand und Michael Blümelhuber aus. Letzterer war mit geschnittenem Stahlschmuck vertreten.
Hagen i.W., vom 19. Mai bis 3. Juli. Die Stadt und der Gewerbeverein veranstalten die Gewerbeausstellung. Leiter sind der OB Cuno und der Kgl. Gewerberat Claussen.
Leipzig. Der Verlag Hermann Schlag Nachf. Leipzig bietet einige neue Fachbücher für das Handwerk an: „Der Goldschmied“; „Das Klammerbuch“; „Der praktische Graveur“; „Edelsteinkunde“; „Die Chemie im Beruf des Goldschmieds“ u.a.
Frankfurt/a.M. vom Juli bis September. Das Kunstgewerbemuseum stellt etwa 200 hervorragende Goldschmiedearbeiten der vergangenen Jahrhunderte aus. Hauptattraktion ist der Domschatz, viele Deckelpokale, auch den der Altfrankfurter Goldschmiedeinnung von 1604, Dosen- und Ringsammlungen.
Berlin. Der RV stellt einen hauptamtlichen Geschäftsführer in Dienst. Es ist ein Goldschmied namens Stricker.
Deutschland, am 1. August. Deutsche Generalmobilmachung und Kriegserklärung an Russland. Die Bevölkerung nimmt die Kriegserklärung mit „patriotischen Gefühlen“ zur Kenntnis („Augustus-Erlebnis“). Italien erklärt sich wegen seiner Verpflichtungen gegenüber Großbritannien für neutral. Tagsdarauf fordert Deutschland von Belgien ultimativ ein Durchmarschrecht für die Truppen und besetzt Luxemburg. Deutsch-türkischer Bündnisvertrag. Mobilmachung der britischen Flotte.
Berlin. 180 Arbeiten sind zur „Friedrich Wilhelm Müller Konkurrenz 1913“ eingeschickt worden. Mit einer derart hohen Beteiligung wurde nicht gerechnet.
Straßburg. In diesem Jahr war die Stadt Straßburg für den Reichsverbandstag vorgesehen, er musste aber wegen des Kriegsausbruchs ausfallen.
Deutschland. Von Kanada sowie von Australien werden z. Z. Versuche unternommen, tüchtige Goldschmiede und Bijouteriearbeiter abzuwerben und zur Aussiedlung zu bewegen.
1915
Berlin. Die 280 Mitglieder der Goldschmiede-Innung zahlen von 1911 bis 1914 jährlich insgesamt an den Reichsverband 550,– RM Verbandsbeitrag.
Deutschland, am 23. Juli. Bekanntmachung des Reichskanzlers über das Gesetz gegen übermäßige Preissteigerungen.
Berlin, am 17. Oktober. Auf der Kriegstagung des Reichsverbandes wurde OM Werner zum 1. Vorsitzenden gewählt. Es wird beschlossen, die Verbandsgeschäfte, die bis dato ehrenamtlich geführt wurden, von einem Geschäftsführer erledigen zu lassen. Ab 1. Oktober 1915 wird der Posten besetzt und dazu noch ein „volkswirtschaftlicher Syndikus“ eingestellt.
Dresden. Die Dresdner Goldschmiede-Innung zeigt auf der Ausstellung „Das Deutsche Handwerk, Dresden 1915“ eine komplette Goldschmiedewerkstatt „im Betriebe“.
Deutschland, am 13. November. Verbot der Aus- und Durchfuhr von Gold.
Sachsen. Der 1. Weltkrieg forderte auch von den Goldschmieden Opfer. Sächsische Goldschmiede, die bereits in 1. Kriegsjahr 1914 fielen, sind Kurt Fuchs, Chemnitz; Wilhelm Förster, Dresden; Alfred Zimmermann (Chef von E.B. Zimmermann), Dresden; Albrecht Triedmehl, Leipzig; Willi Woeckel (Neffe von Wilhelm Woeckel), Leipzig.
1916
Berlin. Der Reichsverband der Juweliere, Gold- und Silberschmiede tagt in der Hauptstadt.
Leipzig. Auf der Schlegelstraße 7 betreibt Wilhelm Rau ein Laboratorium zur Untersuchung von Edelsteinen. Rau ist auch Autor des Werkes „Edelsteinkunde“ (Preis 6,00 Mark) und handelt mit Edelstein-Untersuchungsinstrumenten.
Deutschland, am 13. Juni. Die Ausfuhr von Goldwaren wird per Gesetz untersagt.
Deutschland. Das Platin für die Juwelenherstellung wird beschlagnahmt. Auf das dringende Ersuchen des RV wird dem Gewerbe gestattet, wenigstens die in ihrem Besitz befindlichen Bestände aufzuarbeiten.
1917
Dresden. Die Dresdner Gold- und Silberschmiedeanstalt von Fritz & Co. bietet neben ihren Scheidediensten auch Edelmetall-Lote und Goldlegierungen an.
Leipzig. Der Verlag Wilhelm Diebener GmbH, Breite Straße 7, verlegt die „Deutsche Goldschmiede-Zeitung“, die „Uhrmacherwoche“, „Deutsche Graveur-Zeitung“ und die „Stempel-Zeitung“.
Deutschland. Der RV lässt seine Jahrestagung auf Grund des Krieges ausfallen.
1918
Deutschland. Wegen zu geringer Beteiligung, als Folge des Krieges, wird keine Jahrestagung des RV ausgerichtet.
Deutschland, im Juli. Die Luxussteuer auf Edelmetallwaren wird eingeführt.
Deutschland, im Juli. Anlässlich seines 60. Geburtstages wird die „Rudolf-Menzel-Spende“ ins Leben gerufen. In dem Papier bestimmt R. Menzel notleidende Fachgenossen zu unterstützen.
Deutschland, am 9. November. Die Abdankung Kaiser Wilhelm führte dazu, dass in allen deutschen Bundesstaaten die republikanische Staatsform eingeführt wurde.
1919
Hanau, im April. Die Herren Eppler, Gerstner, Pflaumer, Schröder und Schwahn erarbeiten ein Verzeichnis, in dem Fachausdrücke, die meist aus dem Französischen stammen, in deutsche Worte übersetzt werden.
Leipzig. Eine Goldschmiedeschule wird in der Stadt eingerichtet.
Pforzheim, am 22. Juli. Der bekannte Schmuckfabrikant Theodor Fahrner verstirbt.
Deutschland. Nationalversammlung in Weimar. Ebert wird Reichspräsident.
Kassel. Nach zweijähriger Pause tagt der Verband wieder. Tagungsort: Kassel.
Berlin, im Sommer. OM Werner legt sein Amt als Vorsitzender des Verbandes nieder. Neuer Vorsitzender wird Rudolf Menzel. Ehrenmitglieder des Verbandes: Oscar Müller, Berlin; Georg Schlund, Frankfurt; Theodor Heiden, München und Josef Goldschmidt. Weimar. Unter Leitung von Walter Gropius entsteht das Weimarer Bauhaus. Im Gründungsmanifest des Bauhauses heißt es: „Es gibt keine Kunst von Beruf. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerk. Wir müssen alle zum Handwerk zurück!“
Deutschland. Die Gewerbeordnung definiert den Begriff Zwangsinnung: Zu einer Zwangsinnung kommt es, wenn die Mehrheit der betreffenden Gewerbetreibenden die Einrichtung der Innung beschließt. Sie darf nur Handwerksbetriebe gleicher oder verwandter Art umfassen. Die Aufgaben, die der Innung obliegen, sind in den §§ 81 ff der Gewerbeordnung ausführlich festgelegt. Unter den freigestellten Bestätigungen ist als wichtig die Festsetzung von Einkaufs- und Verkaufsbedingungen und Preisen hervorzuheben, doch ist dazu nur die freie Innung befähigt. Auch ist die Bildung von Innungsverbänden möglich.
1920
Deutschland, am 10. Januar. Der Friedensvertrag von Versailles tritt in Kraft. Durch Gebietsabtretung wird u.a. der so genannte Polnische Korridor geschaffen, der Polen den Zugang zur See eröffnet. Danzig und das Memelland werden vom Deutschen Reich abgetrennt und unter den Schutz des Völkerbunds gestellt. Im besetzten Rheinland übt die Interalliierte Hohe Kommission die Hoheitsbefugnisse aus, das Saarland wird dem Völkerbund unterstellt.
Deutschland, am 18. Januar. Die deutsche Nationalversammlung verabschiedet das Betriebsrätegesetz. Es beschränkt die Tätigkeit der Betriebsräte auf soziale Funktionen und sieht keine betriebswirtschaftliche Mitbestimmung vor.
Deutschland, am 7. Februar. Erlass der Verordnung über den Handel mit Gold, Silber und Platin.
Deutschland, am 24. Februar. Adolf Hitler, Propagandaleiter der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), verkündet auf einer Veranstaltung in München das Parteiprogramm der DAP, die sich später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenennt. Vor 200 Zuhörern erläutert er das 25 Punkte zählende Programm, das u.a. die Aufhebung des Versailler Vertrages und die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft für Juden fordert.
Dresden, am 1. April. Die Handwerkerfachschule, an der auch die Goldschmiede ausgebildet werden, geht in die Verwaltung der Stadt über.
Dresden. Wilhelm Schaper, Prager Straße 28, entwickelt für Goldschmiede-Lötarbeiten einen „Benzin-Gas-Generator“.
Weimar. Der Verband hält seine Jahrestagung in der Dichterstadt ab.
Deutschland. Zum Schutz der Preistreiberei und dem Wucher wird die „Preisschutzkommission für das gesamte Juwelier- und Uhrmachergewerbe Deutschlands“ gegründet. Sachsen. Das Lehrlingswesen wird neu geregelt, dafür wird in Riesa ein Fortbildungsschultag organisiert.
Berlin. Richard Gießel wird in Berlin zum 1. Obermeister gewählt. Amtszeit bis 1927.
Leipzig, am 4. April. Die „Vereinigung der Werkstätten und Fabrikanten im Edelmetallgewerbe Deutschlands“ wird gegründet („Werkufa“). Nach einem Jahr Bestehen sind ihr bereits 300 Kollegen aus dem ganzen Reich angeschlossen. Zum Vorsitzenden des Vereins wird Hans Julius Müller aus Meißen gewählt. Ziele des Vereins sind die Mindestpreistarife für Reparaturen, die Herausgabe eines „Edelmetallkurieres“, eine statistische Erfassung der Löhne u.a. Die „Werkufa“ ist eine Organisation, die dem Reichsverband Deutscher Juweliere, Gold- und Silberschmiede angeschlossen ist. Sie will insbesondere die wirtschaftlichen Sonderinteressen der werktätigen Goldschmiede tatkräftig unterstützen und fördern. Werkstätteninhaber und Goldschmiede, die neben ihren Ladengeschäft noch eine Werkstätte betreiben, können Mitglied in der Vereinigung werden. Mitgliedsbeitrag jährlich 8 Mark.
Deutschland, am 6. April. Aus Protest gegen den Einmarsch der Reichswehr ins Ruhrgebiet besetzen französische Truppen u.a. Frankfurt, Darmstadt und Hanau.
Thüringen, am 30. April. Bildung des Landes Thüringen durch die Zusammenlegung der thüringischen Kleinstaaten.
Deutschland, am 1. Mai. In Baden, Lippe, Mecklenburg-Schwerin und Anhalt wird der
1. Mai als regulärer gesetzlicher Feiertag begangen.
Darmstadt, am 10. Juni. Die Ausstellung „Deutscher Expressionismus“ eröffnet, auf der Werke von Emil Nolde, Ernst Barlach, Paul Klee, Wassily Kandinsky und weiteren Künstlern zu sehen sind.
Idar-Oberstein, am 2. Juli. Eröffnung der Fachschule.
Berlin. Eine Untersuchungsstelle für Edelsteine wird eingerichtet.
Königsberg, im Herbst. In den geräumigen Hallen des Königsberger Tiergarten wird die „1. Ostmesse“ abgehalten.
