Impressionen Sachverständigenfortbildung 13. bis 15. April 2018 in Wien

WEITERBILDUNG FÜR SACHVERSTÄNDIGE DER SCHMUCK- UND JUWELENBRANCHE – EIN RÜCKBLICK

HR Dr. Vera M. F. Hammer, Naturhistorisches Museum Wien

Auf Anregung der deutschen Kollegen wurde von 13. bis 15. April 2018 eine gemeinsame Fortbildungstagung für Sachverständige abgehalten. Veranstalter waren der Hauptverband der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen Österreichs, der Zentralverband der Deutschen Goldschmiede, Silberschmiede und Juweliere e.V. und das Naturhistorische Museum Wien, welches einen repräsentativen Rahmen bot.

Eine kontinuierliche Weiterbildung ist für Sachverständige nicht nur selbstverständlich, sie ist die Voraussetzung zur Fundierung und Erweiterung des aktuellen Fachwissens. Für die große Gruppe an Teilnehmern wurde dazu ein umfangreiches Vortrags- und Führungsprogramm zusammengestellt.

Über die in Wien bis ins 19. Jahrhundert unzählig angesiedelten Bernstein- und Meerschaumdrechsler und die damit verbundenen Handwerksbetriebe, sprach Univ. Prof. i.R. Dr. Norbert Vávra. Die filigranen Wunder der Bildhauerkunst aus theresianischer Zeit, namentlich Mikrobilder aus Elfenbein, meist zu Ringen und Broschen verarbeitet, machte Prof. Ing. Peter W. Hartmann zum Thema.

Welche Überraschungen bei Edelsteinankäufen im Internet lauern, aber auch welche Schnäppchen man hier durchaus ergattern kann, berichtete Univ. Prof. Mag. Dr. Gerald Giester in seiner Präsentation „Edelsteine aus dem Internet – Angebot und Wahrheit“. Der Edelsteinexperte Thomas Pfneisl vom Wiener Edelstein Zentrum erzählte in seinem eindrucksvollen Erfahrungsbericht, wie sich der Edelsteinhandel seit den 1980er Jahren durch die Mobiltelefonie und das World Wide Web verändert hat.

DI Stefan Friedl von der oberösterreichischen Firma Mevisto GmbH, berichtete über eine Produktentwicklung, mit der aus Aluminiumoxid und organischer Asche, synthetische Korunde erzeugt und als personalisierte Edelsteine erfolgreich vermarktet werden.      

Mag. Marcus Fasching von der Scheideanstalt Ögussa sprach über die Wiedergewinnung von Edelmetallen. Neben Gold und Silber werden am Standort Wien auch Platin, Palladium, Rhodium und Iridium aus Edelmetall haltigen Wertstoffen recycelt.

Die Top-Seller bei Schmuck- und Juwelenauktionen von bestimmten Marken wie Cartier, Bulgari oder Tiffany, welche zu Auktions-Höhepunkten und Rekord-Preisen führen und Schmuckstücke, die das besondere Interesse bei internationale Kunden und Sammlern wecken, zeigte Mag. Astrid Fialka-Herics vom Dorotheum. Die Herausforderungen der Sachverständigen beim direkten Kontakt mit Kunden bei der Pfandleihe im oben genannten Auktionshaus, erläuterte Hauptschätzmeister Josef Stefan.

Welche unerwartete Ergebnisse die Materialanalyse von Türkis liefern kann und welche Behandlungen, Imitationen und Synthesen im Handel anzutreffen sind, wurde vom Mineralogen M.Sc. Helmut Pristacz dem Publikum präsentiert. Über eine neue Methode zur Perlenanalytik mittels Nano-Computertomographie, welche vom Material Center Leobendurchgeführt wird, berichtete HR Dr. Vera M. F. Hammer, Leiterin des Staatlichen Edelsteininstituts im NHM Wien.

Sehr eindrucksvoll waren die Gerätepräsentationen, einerseits von Johannes Rupp von Rutech -Technik & Zubehör, sowie von FGA Mikko Åström, welcher die, von seiner finnischen Firma M & A Gemological Instruments entwickelten und gebauten optischen Spektrometer vorführte. Mag. Adeline Lageder zeigte, wie diese moderne Technik in der Praxis der Sachverständigentätigkeit bereits seit geraumer Zeit vom Gemmologischen Labor Austria erfolgreich eingesetzt wird.

Der Vortrag von Dr. Peter Kleisinger von der Pi-Consulting GmbH umfasste den Themenkreis von Versicherungsfällen und Schwierigkeiten, welche auf Sachverständige bei Bewertungsfragen, Gefahrtragung und Haftung zukommen können. Regina Mittermayer-Knopf gab einerseits Auskunft über die Geschichte von Loomis Österreich und die Transportanforderungen für hochwertige Güter und Vermögensgegenstände, die sie für ihre Kunden erfüllen. 

Der öffentliche Abendvortrag von M.Sc. Michael Hügi von der Swiss Gemmological Society ermöglichte einen Einblick in die Welt der Edelstein-Einschlüsse.

Spezialführungen in die Schatzkammer, die Kunstkammer und die Edelsteinsammlung im NHM Wien rundeten das Programm ab.

Die Tagung wurde mit dem Dokumentarfilm „650 Jahre Österreichische Gold- und Silberschmiede“, produziert von Schukoff-Film in Koproduktion mit ORF III beendet.

Eine Veranstaltung dieser Größenordnung wäre ohne die Unterstützung von Ögussa, Mevisto, Rutech, Dorotheum und den Freunden des Naturhistorischen Museums nicht möglich gewesen.

Alle Vortragenden bekamen als Dankeschön für ihre Präsentationen eine bronzene Tier-Fibel, welche von BIMStv. LIM Wolfgang Hufnagl und seinem Team des Forum Goldschmiede dankenswerter Weise gefertigt wurde.